Ratgeber

 

Digitalpianos

Digitalpianos oder Elektronische Klaviere erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, aufgrund folgender Vorzüge:

  1. Sie sind transportabel (allerdings sollte man beachten, dass sie aufgrund ihrer empfindlichen Elektronik und ihrer billigen Gehäusebauweise nicht zu häufig transportiert werden sollten).
  2. Sie müssen nicht gestimmt werden
  3. Man kann jederzeit spielen (mit Kopfhörer), ohne die Nachbarn oder andere Familienmitglieder zu stören (allerdings mit der Einschränkung, dass manch einen das Tastengeklapper mehr stört als das eigentliche Klavierspiel).

Einige der Vorteile von Digitalpianos beruhen jedoch auf Irrtümern:

  1. Das Digitalpiano ist billig. – Ist es höherwertig, trifft dies nur bedingt zu, denn mit etwas Glück bekommt man für den Preis eines guten neuen Digitalpianos auch schon ein Gebrauchtklavier. Vergleicht  man die Lebenserwartung von Klavier und Digitalpiano, dann ist ein richtiges Klavier billiger, denn ein Digitalpiano ist nach spätestens 15 Jahren zum Elektronikschrott mutiert, während ein klassisches Klavier bis zu 100 Jahre alt werden kann.
  2. Es nimmt weniger Platz weg. – Das ist eindeutig falsch, denn der Stellplatz für ein Digitalpiano mit 88 Tasten (etwas anderes käme als Klavier-Ersatz gar nicht in Frage) ist nicht geringer als der eines Klaviers, weil eine Standard-Tastatur immer Klavierbreite verlangt und das Klavier allenfalls in der Tiefe, je nach Größe, ein paar Zentimeter mehr haben kann und lediglich deutlich höher ist, was mit Stellplatz und Platzmangel nichts zu tun hat.

Digitalpianos haben auch deutliche Nachteile:

  1. Die Anschlagsdynamik sorgt zwar dafür, dass der Ton lauter, bzw. leiser wird, je nach dem wie fest man anschlägt, aber das eigentliche Spielgefühl, dass ein richtiges Klavier vermittelt (hier fühlt man in der Taste das Anschlagen des Hammers gegen die Saite) erfährt der Spieler nicht. Dabei sollte gerade der Anfänger ein Klavier ertasten können, um das Feingefühl für den richtigen Anschlag zu erlernen. Denn schon innerhalb der ersten Spielsekunden ist zu erkennen, ob der Spieler an einem echten oder an einem Digitalpiano gelernt hat. Ich möchte hier noch explizit darauf aufmerksam machen, dass mit der Anschlagdynamik sich nicht nur die Lautstärke, sondern auch die Klangfarbe verändert.
  2. Die Klangabstrahlung beim Digitalpiano über die meist nicht sehr hochwertigen Lautsprecher, ist nicht mit der Qualität der Klangerzeugung des komplexen Resonanzbodensytems eines akustischen Klaviers zu vergleichen. "Täuschend echt" klingt es nur solange der Vergleich mit einem richtigen Klavier fehlt.
  3. Das Spiel über Kopfhörer bzw. über künstlich reduzierte Lautstärke entspricht nicht den akustischen Gegebenheiten natürlichen Musizierens und ist für fortgeschrittenes Üben kaum geeignet, da auch das Raumklangerlebnis fehlt.
  4. Die Mechanik eines digitalen Instruments ist nur eine billige Vortäuschung einer  echten Klaviermechanik, auch wenn sie "gewichtet" ist. Die tatsächlich bewegten Massen in einer richtigen Klaviermechanik bewegen sich in einer ganz anderen Dimension und daher gelten hier ganz andere physikalische Gegebenheiten (Massenträgheit).

Wäre es möglich, das Klavier durch das Digitalpiano zu ersetzen, so brauchte man auch nicht die schweren Konzertflügel oder Klaviere zu den jeweiligen Veranstaltungsorten mühsam zu transportieren, um sie dann anschließend auch noch stimmen zu müssen.  

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