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Die Restaurierung eines Klaviers

Oft liest man in diversen Zeitungsinseraten Texte wie: "Jugendstilklavier, generalüberholt, günstig abzugeben".

Aber was steckt genau hinter solchen Formulierungen? Dazu sollte man folgendes wissen: Ein gutes Klavier hat zwar eine sehr hohe Lebenserwartung, doch keine unendliche. Denn auch für Klaviere gelten physikalische Gesetzmäßigkeiten. Da beim Klavier pro Saite 700 Newton Zuglast zur Wirkung kommen, also in der Summe zirka  16 to (das Klavier hat zirka 220 Einzelsaiten, die 88 Einzeltöne sind ein-, zwei- oder drei-chörig), so ist es das sichere Ereignis, dass nach spätestens 70 bis 80 Jahren diese hohe Beanspruchung ihren Tribut fordert. Der hölzerne Stimmstock  ist dann nicht mehr in der Lage die Stimmnägel fest genug zu halten (zu kleiner Haftreibungswiderstand). Dadurch ist das Klavier dann nicht mehr stimmbar. Der Resonanzboden hat aufgrund des hohen Drucks, den die 16 to Saitenzuglast über den Steg ausüben, seine Wölbung verloren.

Daraus folgt, dass der nötige Stegdruck, der zur Erzeugung der richtigen Töne notwendig wäre, nicht mehr vorhanden ist. Da wird auch dem Laien sehr schnell klar, dass hier eine sogenannte "Generalüberholung" diese Mängel nicht beseitigen kann. Hier hilft nur eine vollkommene Erneuerung der Besaitung mit neuen Stimmnägeln. Dazu muss das Klavier restlos zerlegt werden, anschließend muss der von Saiten und Gussrahmen befreite Rasten, nachdem vom Resonanzboden der Lack entfernt wurde, in der Trockenkammer getrocknet werden. Nur auf diese Art ist es gewährleistet, dass danach die notwendige Resonanzbodenwölbung wieder hergestellt werden kann.

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